BAföG Zweitausbildung: So klappt die Förderung fürs neue Fach

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Du hast deinen Bachelor in der Tasche, willst aber nochmal was ganz anderes studieren, und jetzt steht die BAföG-Zweitausbildung als Frage im Raum. Die kurze Antwort: In den allermeisten Fällen bekommst du für ein zweites, komplett neues Studienfach kein BAföG mehr. Es gibt aber Ausnahmen, die wirklich Geld bringen können, wenn du sie kennst und richtig beantragst.
Ich hab das selbst durchgerechnet, als eine Kommilitonin nach ihrem BWL-Bachelor noch Medizin studieren wollte. Das Amt für Ausbildungsförderung in Köln hat ihr erstmal klar gesagt: Ohne besonderen Grund läuft da nichts mehr. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Regeln, bevor du Zeit in einen Antrag steckst, der sowieso abgelehnt wird.
Was bedeutet BAföG Zweitausbildung überhaupt?
Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen deiner geförderten Erstausbildung und allem, was danach kommt. Sobald du einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss hast, egal ob Bachelor, Fachhochschulabschluss oder Ausbildung, zählt jedes weitere Studium als Zweitausbildung. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz regelt das in §7 BAföG ziemlich eindeutig.
Für eine Studienfinanzierung weiterführendes Studium gilt deshalb: Der Normalfall ist keine Förderung mehr. Die Ausnahmen sind aber genau definiert und lohnen sich zu prüfen, bevor du das Thema abhakst.
Konsekutiver Studiengang Förderung: Der wichtigste Sonderfall
Die gute Nachricht zuerst: Ein Master, der direkt auf deinen Bachelor aufbaut, gilt nicht als Zweitausbildung. Das nennt sich konsekutiver Studiengang, und dafür bekommst du ganz normal weiter BAföG, als würdest du dein Erststudium fortsetzen.
Wichtig ist der fachliche Zusammenhang. Ein Bachelor in Soziologie gefolgt von einem Master in Sozialer Arbeit zählt in der Regel als konsekutiv. Ein Bachelor in Maschinenbau gefolgt von einem Master in Psychologie dagegen nicht, weil der fachliche Bezug fehlt.
Mehr zu den Finanzierungsoptionen zwischen den beiden Studienabschnitten findest du in meinem Artikel zum Studium finanzieren in der Lücke zwischen Bachelor und Master.
Diese Ausnahmen gibt es bei BAföG Zweitausbildung
Komplett ausgeschlossen ist die staatliche Förderung zweites Fach trotzdem nicht. Das Gesetz kennt mehrere Härtefälle, bei denen Studierende auch für ein zweites, fachlich unabhängiges Studium Anspruch haben können.
- Du hast dein Erststudium ohne eigenes Verschulden abbrechen müssen, etwa wegen schwerer Krankheit, und das neue Fach baut thematisch sinnvoll darauf auf.
- Dein zweites Studium ist für die Ausübung deines angestrebten Berufs zwingend notwendig, zum Beispiel wenn ein Lehramt ohne Zweitfach gar nicht zulassungsfähig ist.
- Du hast dich nach einer beruflichen Ausbildung für ein Studium entschieden, das eng mit deiner bisherigen Tätigkeit verknüpft ist, etwa von der Krankenpflegeausbildung zum Pflegemanagement-Studium.
Diese Ausnahmen prüft das zuständige Amt für Ausbildungsförderung im Einzelfall. Pauschale Zusagen gibt es da nicht, du musst deinen Fall mit Unterlagen und einem kurzen Motivationsschreiben begründen.
Voraussetzungen für BAföG Zweitausbildung prüfen, bevor du den Antrag stellst
Bevor du überhaupt Formulare ausfüllst, lohnt sich ein Anruf beim Studierendenwerk. Die Sachbearbeiter dort sehen täglich Fälle wie deinen und können schon am Telefon einschätzen, ob dein zweites Fach als Ausnahme durchgeht. Das spart dir Wochen des Wartens auf eine Ablehnung.
Frag konkret nach, ob dein Fall unter §7 Absatz 2 BAföG fällt, das ist der Paragraf für die Zweitausbildungs-Ausnahmen. Aktuelle Infos und die genauen Fördersätze findest du direkt beim Bundesministerium für Bildung und Forschung unter bafög.de.
Welche Studiengänge gelten als Zweitausbildung, und welche nicht

Die Abgrenzung ist in der Praxis oft knifflig. Ein konsekutiver Master zählt nicht als Zweitausbildung, ein fachfremder Master schon. Ein zweiter Bachelor nach dem ersten fällt fast immer unter die Zweitausbildung, egal wie fachnah die Fächer sind.
Auch ein Staatsexamen nach einem Bachelor kann je nach Bundesland unterschiedlich bewertet werden. Wenn du zum Beispiel vom Bachelor Biologie ins Staatsexamen Pharmazie wechselst, lohnt sich eine Einzelfallprüfung beim BAföG-Amt.
Für alle, die am Ende tatsächlich keine Förderung über das klassische BAföG bekommen, gibt es noch andere staatliche Programme. Das Aufstiegs-BAföG mit bis zu 15.000 Euro für dein Zweitstudium ist zum Beispiel eine Option, die viele übersehen, weil sie eigentlich für berufliche Aufstiegsfortbildungen gedacht ist, aber unter bestimmten Bedingungen auch für ein Zweitstudium greifen kann.
Studienfinanzierung nach erstem Abschluss sichern: Alternativen zum BAföG
Falls die Zweitausbildung nicht gefördert wird, bist du nicht automatisch aufgeschmissen. Es gibt mehrere realistische Wege, dein zweites Studium trotzdem zu stemmen.
Ein Studienkredit kann sinnvoll sein, wenn du eine klare Berufsperspektive mit entsprechendem späteren Einkommen hast. Wann sich das wirklich lohnt, erkläre ich ausführlich im Artikel Studienkredit: Wann sich Schulden fürs Studium lohnen.
Daneben bleibt natürlich die Möglichkeit, parallel als Werkstudentin zu arbeiten. Wie viele Stunden du dabei neben einer eventuell laufenden Erstförderung arbeiten darfst, steht im Beitrag Werkstudent und BAföG: Wie viele Stunden sind erlaubt?.
Manche Studentinnen entscheiden sich auch für flexiblere Finanzierungswege wie Sugardating, um die Lücke zu schließen, ohne sich fest an einen Arbeitgeber zu binden. Plattformen wie MySugardaddy bieten dafür einen strukturierten Rahmen, allerdings solltest du dich vorher über die rechtlichen Rahmenbedingungen informieren.
So beantragst du BAföG Zweitausbildung konkret

Wenn du glaubst, dass eine der Ausnahmen auf dich zutrifft, läuft der Antrag formal genauso wie beim Erststudium. Du füllst die Formblätter 1 bis 3 aus und reichst sie beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung ein.
Zusätzlich brauchst du für die Zweitausbildung ein Begründungsschreiben, in dem du darlegst, warum dein Fall unter eine der Ausnahmeregelungen fällt. Lege hier Nachweise bei, etwa Atteste bei gesundheitlichen Gründen oder Studien- und Prüfungsordnungen, die belegen, dass das zweite Fach für deinen Beruf zwingend ist.
Plane für die Bearbeitung mehrere Wochen ein, bei Zweitausbildungsfällen dauert die Prüfung meist länger als bei Standardanträgen, weil ein Sachbearbeiter den Einzelfall bewerten muss.
Fazit: BAföG Zweitausbildung ist die Ausnahme, keine Regel
Für die meisten von euch gilt: BAföG Zweitausbildung gibt es nur, wenn dein neues Studium konsekutiv auf dem ersten aufbaut oder eine der gesetzlich definierten Härtefallregelungen greift. Prüf deinen Fall konkret mit dem Studierendenwerk, bevor du Zeit in einen aussichtslosen Antrag steckst. Wenn es nicht klappt, gibt es genug Alternativen von Aufstiegs-BAföG bis Studienkredit, mit denen sich dein zweites Studium trotzdem finanzieren lässt.
Häufige Fragen zu BAföG Zweitausbildung
Bekomme ich BAföG für einen zweiten Bachelor?
In der Regel nein, ein zweiter Bachelor gilt als Zweitausbildung und wird nur bei nachgewiesenen Härtefallgründen gefördert.
Ist ein Master nach dem Bachelor automatisch eine Zweitausbildung?
Nein, ein konsekutiver Master, der fachlich auf den Bachelor aufbaut, zählt zur Erstausbildung und wird normal gefördert.
Was zählt als Härtefall bei BAföG Zweitausbildung?
Ein unverschuldeter Abbruch des Erststudiums oder die zwingende berufliche Notwendigkeit des zweiten Fachs gelten als anerkannte Härtefälle.
Wie lange dauert die Prüfung eines Zweitausbildungs-Antrags?
Plane mehrere Wochen länger ein als bei einem normalen BAföG-Antrag, da das Amt deinen Einzelfall individuell bewertet.
Welche Alternativen gibt es, wenn ich kein BAföG für die Zweitausbildung bekomme?
Aufstiegs-BAföG, Studienkredite und Nebenjobs als Werkstudentin sind die gängigsten Wege, ein zweites Studium selbst zu finanzieren.