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Letzten Monat saß ich mit einer Kommilitonin beim Kaffee, als sie mir ihre Kontoauszüge zeigte: 28.000 Euro Schulden nach vier Jahren Studienkredit aufnehmen, aktueller Zinssatz 4,36 Prozent pro Jahr. Sie fragte mich: War das die richtige Entscheidung? Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an. Ich habe mir die Zahlen angeschaut und zeige dir heute konkret, wann ein Studienkredit wirklich sinnvoll ist und wann du besser nach Alternativen suchst.

Ein Studienkredit klingt verlockend, wenn die Miete fällig wird und das Konto leer ist. Aber diese Entscheidung hat langfristige Folgen. Ich erkläre dir anhand echter Rechenbeispiele, welche Situationen einen Kredit rechtfertigen und wann du besser auf andere Finanzierungsoptionen setzt.

Die realistischen Kosten eines Studienkredits

Der KfW Studienkredit ist mit 734.000 Verträgen seit 2006 der bekannteste in Deutschland. Stand April 2024 liegt der effektive Jahreszins bei 4,36 Prozent. Das bedeutet: Wenn du monatlich 650 Euro über vier Jahre beziehst, hast du am Ende 31.200 Euro erhalten. Durch die Zinsen während der Auszahlungsphase und der Karenzzeit summiert sich deine Schuld auf etwa 35.400 Euro.

Bei der Rückzahlung über zehn Jahre zahlst du dann monatlich circa 365 Euro zurück. Insgesamt werden aus den 31.200 Euro geliehenen Geldes rund 43.800 Euro Rückzahlung. Du zahlst also 12.600 Euro mehr zurück, als du bekommen hast. Diese Zahl muss dir klar sein, bevor du einen Studienkredit aufnehmen entscheidest.

Zum Vergleich: Ein Werkstudentenjob mit 16 Stunden pro Woche zu 14 Euro bringt dir monatlich etwa 896 Euro brutto, netto bleiben davon circa 720 Euro. Ohne Schulden, ohne Zinsen. Die Frage ist nur: Kannst du diese 16 Stunden mit deinem Studium vereinbaren? Falls du unsicher bist, wie viele Stunden neben dem BAföG erlaubt sind, schau dir meinen Artikel über Werkstudent und BAföG Stundenregelungen an.

Vier Situationen, in denen ein Studienkredit Sinn macht

Ich bin nicht grundsätzlich gegen Studienkredite. Es gibt konkrete Szenarien, in denen sie die bessere Wahl sind.

Intensives Masterstudium mit hoher Arbeitsbelastung

Wenn du einen Master in Medizin, Jura oder Architektur machst, sind 50 bis 60 Wochenstunden Uni-Arbeit normal. Meine Kommilitonin aus dem Beispiel studiert Humanmedizin in Hamburg. Zwischen Vorlesungen, Praktika und Prüfungsvorbereitung bleiben ihr maximal 5 Stunden pro Woche für einen Nebenjob. Das würde bei 14 Euro Stundenlohn gerade mal 280 Euro monatlich bringen. Hier macht der Studienkredit aufnehmen finanziell Sinn, weil die Alternative kaum Einkommen generiert.

Auslandssemester ohne Erasmus-Förderung

Ein Semester in Sydney oder Tokio kostet schnell 8.000 bis 12.000 Euro zusätzlich. Wenn du kein Erasmus-Stipendium bekommst und deine Eltern nicht zahlen können, ist ein befristeter Bildungskredit sinnvoller als das Auslandssemester abzusagen. Laut Deutschem Akademischem Austauschdienst erhöht ein Auslandssemester dein Einstiegsgehalt im Schnitt um 8 Prozent. Bei einem Jahresgehalt von 45.000 Euro sind das 3.600 Euro mehr pro Jahr, die sich über die Karriere gerechnet deutlich lohnen.

Abschlussphase mit Vollzeit-Bachelorarbeit

Viele Bachelorarbeiten, besonders in Naturwissenschaften oder Ingenieurwesen, erfordern Laborzeit oder intensive Forschung. Wenn du für deine Thesis drei bis sechs Monate Vollzeit brauchst und keinen Nebenjob parallel schaffst, überbrückt ein kurzfristiger Kredit diese Phase sinnvoll. Besser 2.600 Euro für vier Monate leihen, als die Abschlussarbeit zu verzögern und ein ganzes Semester länger zu studieren.

Zweitstudium ohne BAföG-Anspruch

Beim Zweitstudium fällt BAföG weg. Wenn du nach dem Bachelor in BWL noch Medizin studieren willst, stehst du vor der Wahl: Vollzeit arbeiten und Teilzeit studieren oder einen Studienkredit nutzen. Hier kann ein gezielter Kredit die Studiendauer drastisch verkürzen. Mehr Details zur Finanzierung findest du in meinem Beitrag zum Zweitstudium finanzieren ohne BAföG.

Wann du definitiv keinen Studienkredit aufnehmen solltest

Genauso wichtig wie die richtigen Gründe sind die falschen. Diese drei Situationen sehe ich immer wieder, und jedes Mal rate ich davon ab.

Erstens: Wenn du eigentlich Zeit für einen Nebenjob hast, aber keine Lust darauf. Ein Bachelorstudium mit 25 bis 30 Wochenstunden Studienaufwand lässt problemlos 10 bis 15 Stunden Arbeit zu. Selbst ein Minijob mit 12 Stunden zu 13 Euro bringt 624 Euro monatlich. Das sind über drei Jahre 22.464 Euro ohne Schulden statt mit 12.600 Euro Zinslast.

Zweitens: Für Lifestyle-Ausgaben wie teure Wohnung oder Urlaube. Ich kenne Studis, die 800 Euro monatlich aus dem Kredit nehmen, aber in einer 550-Euro-WG im Glockenbachviertel wohnen statt für 380 Euro in Pasing. Diese 170 Euro Differenz kosten über vier Jahre zusätzlich 2.800 Euro Zinsen. Schau dir lieber meine Tipps zum Budget richtig planen an, bevor du dich wegen Wohnluxus verschuldest.

Drittens: Wenn du noch gar nicht alle anderen Optionen geprüft hast. BAföG, Wohngeld, Stipendien, Elternunterhalt nach Düsseldorfer Tabelle. Ein Studienkredit sollte immer die letzte Option sein, nicht die erste.

Studienkredit Vergleich: KfW vs. Private Anbieter

Studienkredit: Wann sich Schulden fürs Studium lohnen

Falls du dich für einen Kredit entscheidest, sind die Unterschiede zwischen Anbietern enorm. Der KfW Studienkredit bietet Stand 2024 maximal 650 Euro monatlich, unabhängig vom Einkommen deiner Eltern. Die Rückzahlung beginnt frühestens 18 Monate nach der letzten Rate, maximal 23 Monate. Der Zinssatz wird halbjährlich angepasst und lag in den letzten Jahren zwischen 0,44 Prozent und 4,36 Prozent.

Private Anbieter wie die DKB oder Deutsche Bank verlangen oft Sicherheiten oder Bürgschaften. Die Zinsen liegen teilweise bei 6 bis 8 Prozent. Dafür sind die monatlichen Beträge flexibler. Einige bieten bis zu 1.000 Euro monatlich. Laut einem Vergleich der Stiftung Warentest vom März 2024 schneidet der KfW-Kredit in 9 von 10 Kategorien besser ab als private Alternativen.

Der Bildungskredit des Bundes ist nochmal anders: maximal 7.200 Euro Gesamtsumme, zinsgünstig mit aktuell 1,01 Prozent Zinsen, aber nur für fortgeschrittene Studienphasen ab dem fünften Semester. Er eignet sich zur Überbrückung, nicht zur kompletten Studienfinanzierung.

Die Studienkredit Rückzahlung richtig planen

Die meisten unterschätzen, wie lange die Rückzahlung läuft. Bei 35.000 Euro Schulden und 365 Euro monatlicher Rate zahlst du 120 Monate, also zehn Jahre lang. Das bedeutet: Wenn du mit 24 deinen Bachelor abschließt, bist du mit 34 schuldenfrei. Mitten in der Phase, wo andere eine Familie gründen oder eine Immobilie finanzieren.

Du kannst die Rate bei der KfW zwischen 20 Euro und 1.500 Euro monatlich wählen. Je höher die Rate, desto weniger Zinsen zahlst du insgesamt. Wenn du nach dem Berufseinstieg 600 Euro monatlich zurückzahlst statt 365 Euro, sparst du etwa 2.400 Euro Zinsen und bist 4 Jahre früher fertig.

Wichtig: Plane mit einer Karenzphase. Nach dem Studium brauchst du oft drei bis sechs Monate, bis du deinen ersten Job anfängst und das erste Gehalt kommt. Die KfW gibt dir maximal 23 Monate Karenzzeit, aber in dieser Zeit laufen die Zinsen weiter. Jeder Monat Verzögerung kostet dich zusätzlich Geld.

Vor und Nachteile Studienkredit KfW im Detail

Ich fasse die harten Fakten zusammen, damit du eine informierte Entscheidung treffen kannst.

Die Vorteile

  • Unabhängigkeit vom Elterneinkommen, keine Bonitätsprüfung bei Studierenden unter 45 Jahren
  • Flexible monatliche Auszahlung zwischen 100 und 650 Euro, anpassbar alle sechs Monate
  • Bis zu 23 Monate Karenzzeit nach Studienende vor Rückzahlungsbeginn
  • Möglichkeit der Sondertilgung ohne Vorfälligkeitsentschädigung
  • Aktuell niedrigere Zinsen als bei privaten Studienkrediten

Die Nachteile

Die Zinsen sind variabel und können steigen. Wer 2021 einen Kredit zu 0,68 Prozent aufgenommen hat, zahlt jetzt 4,36 Prozent. Das sind bei 30.000 Euro Restschuld etwa 1.100 Euro mehr Zinsen pro Jahr. Du trägst das Zinsrisiko komplett selbst.

Die maximale Förderdauer beträgt 14 Semester. Wenn du länger studierst, musst du andere Finanzierungsquellen finden. Und die psychische Belastung solltest du nicht unterschätzen: Mit Mitte 20 schon fünfstellige Schulden zu haben, setzt viele unter Druck. Ich kenne Absolventen, die den ersten Job nicht nach Interesse gewählt haben, sondern nur nach Gehalt, um den Kredit schneller zurückzuzahlen.

Alternative Finanzierungsoptionen ehrlich bewertet

Studienkredit: Wann sich Schulden fürs Studium lohnen

Bevor du einen Studienkredit aufnehmen endgültig entscheidest, prüfe diese Alternativen konkret.

Stipendien sind nicht nur für Einser-Kandidaten. Das Deutschlandstipendium fördert 28.000 Studierende mit 300 Euro monatlich, die Hälfte davon haben einen Notendurchschnitt zwischen 1,5 und 2,5. Bewerbungsfrist ist meist im Juli für das Wintersemester. Auch kleine Stiftungen wie die Hans-Böckler-Stiftung oder das Avicenna-Studienwerk bieten hunderte Plätze.

Wohngeld kannst du als Student beantragen, wenn du kein BAföG beziehst oder aus anderen Gründen nicht förderberechtigt bist. In München sind das bei 400 Euro Miete etwa 180 Euro monatlich Zuschuss. Über drei Jahre sind das 6.480 Euro geschenkt statt geliehen.

Nebenjobs bringen nicht nur Geld, sondern auch Berufserfahrung. Ein Werkstudentenjob im Marketing mit 16 Stunden zahlt in größeren Städten 15 bis 18 Euro pro Stunde. Das sind 1.000 bis 1.150 Euro monatlich. Selbst wenn du dadurch ein Semester länger studierst, kommst du finanziell oft besser weg als mit einem Studienkredit.

Für manche ist auch Sugardating eine Option, das monatlich oft mehr einbringt als ein Studienkredit auszahlt, allerdings mit ganz eigenen Überlegungen. Ich habe dazu einen ausführlichen Guide geschrieben, falls dich das Thema interessiert.

Welcher Studienkredit ist der beste für dich?

Die Antwort hängt von deiner konkreten Situation ab. Wenn du einen flexiblen, elternunabhängigen Kredit mit moderaten Zinsen suchst, ist der KfW Studienkredit 2024 die beste Wahl. Für kurzfristige Überbrückung unter 7.200 Euro ist der Bildungskredit des Bundes mit 1,01 Prozent Zinsen günstiger.

Private Kredite lohnen sich nur in Spezialfällen, etwa wenn du über 45 bist und bei der KfW eine Bonitätsprüfung durchlaufen müsstest, die du nicht bestehst. Dann können Angebote der DKB mit Bürgschaft eine Option sein.

Berechne vor Abschluss immer die Gesamtkosten. Nutze den KfW-Tilgungsrechner online und spiel verschiedene Szenarien durch. Was kostet dich der Kredit bei 300 Euro monatlich über zwei Jahre? Was bei 600 Euro über vier Jahre? Wie ändert sich die Gesamtsumme, wenn die Zinsen auf 6 Prozent steigen?

Stelle dir außerdem die Frage: Wie sicher ist mein Berufseinstieg? Ein Medizinstudium führt mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu einem Job mit mindestens 50.000 Euro Jahresgehalt. Ein geisteswissenschaftliches Studium ohne klares Berufsziel hat deutlich unsicherere Aussichten. Je unsicherer dein Einkommen nach dem Studium, desto vorsichtiger solltest du mit Schulden sein.

Häufig gestellte Fragen zum Studienkredit

Kann ich einen Studienkredit vorzeitig zurückzahlen? Ja, bei der KfW kannst du jederzeit Sondertilgungen leisten ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das spart dir Zinsen und verkürzt die Laufzeit.

Was passiert, wenn ich mein Studium abbreche? Die Auszahlung stoppt sofort. Du musst die bereits erhaltenen Beträge plus aufgelaufene Zinsen zurückzahlen. Die Rückzahlung beginnt spätestens 23 Monate nach der letzten Auszahlung.

Bekomme ich auch im Teilzeitstudium einen Studienkredit? Der KfW Studienkredit ist nur für Vollzeitstudierende verfügbar. Bei Teilzeit musst du auf private Anbieter oder den Bildungskredit ausweichen, der auch Teilzeit fördert.

Muss ich den Studienkredit versteuern? Nein, ein Kredit ist kein Einkommen und damit steuerfrei. Auch in der Rückzahlungsphase kannst du die Zinsen nicht steuerlich absetzen, da Ausbildungskosten im Erststudium nur begrenzt absetzbar sind.

Kann ich BAföG und Studienkredit gleichzeitig bekommen? Ja, das ist möglich. Allerdings wird der Studienkredit als Einkommen gewertet und kann deinen BAföG-Anspruch reduzieren. Rechne vorher genau durch, ob sich die Kombination lohnt.

Fazit: Studienkredit als letztes Mittel, nicht erste Wahl

Nach allem, was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, rate ich dir: Nutze einen Studienkredit aufnehmen nur, wenn du wirklich keine andere realistische Option hast. Wenn dein Studium so zeitintensiv ist, dass ein Nebenjob unmöglich ist. Wenn ein Auslandssemester oder eine Abschlussphase kurzfristig Geld erfordert. Oder wenn du ein Zweitstudium ohne BAföG finanzieren musst.

In allen anderen Fällen sind die langfristigen Kosten zu hoch. 12.000 Euro Zinsen für 30.000 Euro geliehenes Geld bedeuten, dass du 40 Prozent mehr zurückzahlst als du bekommen hast. Zehn Jahre Rückzahlung bedeuten, dass du bis Mitte 30 jeden Monat mehrere hundert Euro abdrückst, während andere ein Haus anzahlen oder für die Rente sparen.

Wenn du dich für einen Kredit entscheidest, wähle den KfW Studienkredit mit aktuell 4,36 Prozent Zinsen. Nimm nur so viel, wie du wirklich brauchst. Plane mit mindestens 400 Euro monatlicher Rückzahlungsrate, um die Zinslast zu minimieren. Und leg dir von Tag eins an einen Plan zurecht, wie du nach dem Studium schnell in die Rückzahlung kommst.

Meine Kommilitonin mit den 28.000 Euro Schulden hat übrigens ihre erste Stelle als Assistenzärztin angetreten. Sie zahlt jetzt 700 Euro monatlich zurück und wird in vier Jahren schuldenfrei sein. Für sie war der Kredit die richtige Wahl, weil Medizin ohne ihn nicht möglich gewesen wäre. Aber sie hat auch gesagt: Wenn ich nochmal entscheiden müsste, hätte ich die letzten zwei Semester mit einem Minijob kombiniert, um wenigstens 5.000 Euro weniger Schulden zu haben. Diese Ehrlichkeit wünsche ich dir auch bei deiner Entscheidung.