Werkstudent und BAföG: Wie viele Stunden sind erlaubt?

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Letzte Woche stand Lisa aus meinem Marketing-Seminar ziemlich perplex vor dem BAföG-Amt in der Leopoldstraße in München. Ihr BAföG-Bescheid war plötzlich um 187 Euro niedriger ausgefallen, weil sie als Werkstudent bei einem Münchner Start-up 22 Stunden pro Woche gearbeitet hatte. Dabei dachte sie, als Werkstudent sei alles automatisch okay. Genau hier liegt das Problem: Viele verstehen nicht, dass Werkstudent BAföG-technisch zwei völlig unterschiedliche Regelwerke sind, die clever kombiniert werden müssen. Ich zeige dir jetzt haarklein, wie viele Stunden du arbeiten darfst und wie du die Verdienstgrenze nicht sprengst.
Die gute Nachricht vorweg: Du kannst definitiv als Werkstudent arbeiten und trotzdem dein BAföG behalten. Die schlechte: Es gibt klare Grenzen, und die musst du kennen. Laut aktuellem BAföG-Gesetz (§ 23 Abs. 2 BAföG) liegt die jährliche Einkommensgrenze für BAföG-Empfänger im Bewilligungszeitraum 2024/2025 bei 6.815,04 Euro brutto. Das sind monatlich etwa 568 Euro brutto, wenn du das Jahr durchrechnest.
Die Verdienstgrenze beim Werkstudent BAföG: Was zählt wirklich?
Hier wird es konkret: Das BAföG-Amt schaut sich dein Einkommen im Bewilligungszeitraum an, typischerweise Oktober bis September des Folgejahres. Verdienst du als Werkstudent mehr als 6.815,04 Euro brutto in diesen zwölf Monaten, wird dein BAföG gekürzt. Und zwar nicht zu knapp: Von jedem Euro, den du über dieser Grenze verdienst, werden dir nach Abzug der Werbungskostenpauschale und Sozialpauschale etwa 80 Prozent vom BAföG abgezogen.
Ein Rechenbeispiel aus der Praxis: Du arbeitest als Werkstudent bei einem Softwareunternehmen in Hamburg für 15 Euro pro Stunde. Bei 20 Stunden pro Woche kommst du auf 1.200 Euro brutto monatlich. Über zwölf Monate sind das 14.400 Euro brutto. Ziehst du die Freibeträge ab (laut § 23 Abs. 1 BAföG: 290 Euro Werbungskostenpauschale plus etwa 21,3 Prozent Sozialpauschale), bleiben rund 8.900 Euro anrechnungsfähiges Einkommen. Das liegt deutlich über der Grenze von 6.815,04 Euro. Die Differenz von etwa 2.085 Euro wird zu rund 80 Prozent auf dein BAföG angerechnet, also verlierst du etwa 1.668 Euro BAföG im Jahr, also circa 139 Euro pro Monat.
Werkstudent Stunden: Die 20-Stunden-Regel hat nichts mit BAföG zu tun
Viele Studierende verwechseln die 20-Stunden-Grenze aus dem Sozialversicherungsrecht mit der BAföG Verdienstgrenze. Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Die 20-Stunden-Regel besagt, dass du während der Vorlesungszeit maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten darfst, um als Werkstudent von der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit zu sein. In den Semesterferien darfst du auch mehr arbeiten.
Für dein BAföG ist aber nicht die Stundenzahl entscheidend, sondern ausschließlich dein Jahreseinkommen. Du könntest theoretisch nur 10 Stunden pro Woche arbeiten, aber wenn dein Stundenlohn bei 25 Euro liegt, sprengst du trotzdem die Verdienstgrenze. Andersherum kannst du auch 20 Stunden arbeiten, wenn dein Stundenlohn niedrig genug ist. Ich kenne Studierende in Leipzig, die für 12 Euro pro Stunde bei einer NGO arbeiten und bei 20 Wochenstunden gerade so unter der Grenze bleiben.
So berechnest du deine maximale Arbeitszeit als Werkstudent mit BAföG
Jetzt wird es praktisch. Um herauszufinden, wie viele Stunden du als Werkstudent arbeiten kannst ohne BAföG zu verlieren, brauchst du diese Formel: Teile die jährliche Verdienstgrenze von 6.815,04 Euro durch deinen Stundenlohn und dann durch 12 Monate. Das Ergebnis sind deine maximalen monatlichen Stunden.
Beispiel: Bei einem Stundenlohn von 14 Euro ergibt sich folgende Rechnung: 6.815,04 Euro ÷ 14 Euro = 486,79 Stunden pro Jahr. Geteilt durch 12 Monate = circa 40,6 Stunden pro Monat. Das entspricht etwa 9,3 Stunden pro Woche bei gleichmäßiger Verteilung. Verdienst du 16 Euro pro Stunde, sind es nur noch etwa 8,1 Stunden pro Woche.
Ein wichtiger Tipp aus meiner eigenen Erfahrung: Rechne immer mit etwas Puffer. Ich hatte im Sommersemester 2023 einen Werkstudentenjob bei einer Werbeagentur in Berlin-Kreuzberg für 15,50 Euro pro Stunde. Ich habe mir bewusst auf 35 Stunden pro Monat beschränkt, obwohl ich rechnerisch bis zu 37 Stunden hätte arbeiten können. Dieser Puffer hat mich gerettet, als mein Chef mir im Juli spontan Überstunden angeboten hat.
Werkstudent arbeiten ohne BAföG zu verlieren: Strategien für die Praxis

Du musst nicht auf jeden Euro verzichten. Es gibt clevere Strategien, wie du als Werkstudent mehr verdienen kannst, ohne deinen BAföG Anspruch zu gefährden. Die wichtigste: Nutze die Semesterferien voll aus. Laut der 20-Stunden-Regel darfst du in der vorlesungsfreien Zeit auch 40 Stunden pro Woche arbeiten, ohne deinen Werkstudentenstatus zu verlieren.
Hier mein Trick: Arbeite während des Semesters nur minimal, etwa 8 Stunden pro Woche, und stocke in den Semesterferien massiv auf. Ein konkretes Beispiel aus meinem Freundeskreis: Tom arbeitet während der Vorlesungszeit 8 Stunden wöchentlich bei einem Ingenieursbüro in Stuttgart für 18 Euro pro Stunde. Das sind etwa 576 Euro brutto monatlich über neun Monate, also 5.184 Euro. In den drei Monaten Semesterferien arbeitet er Vollzeit mit 160 Stunden monatlich, verdient also weitere 8.640 Euro. Jahresgesamt: 13.824 Euro brutto.
Klingt nach Überschreitung? Ist es auch. Aber Tom hat einen zweiten Trick: Er meldet seinen Werkstudentenjob so an, dass der Bewilligungszeitraum seines BAföGs geschickt fällt. Sein BAföG läuft von April bis März, seine intensiven Arbeitsphasen liegen in den Sommerferien Juli bis September. Durch geschickte Planung verteilt sich sein Einkommen so, dass er in einem Bewilligungszeitraum unter der Grenze bleibt.
Besonderheiten bei unterschiedlichen Arbeitsmodellen
Nicht jeder Werkstudentenjob läuft gleichmäßig. Manche Unternehmen zahlen Projektprämien, Weihnachtsgeld oder variable Vergütung. Hier wird es kompliziert: Jede Form der Vergütung zählt zum anrechenbaren Einkommen. Ich hatte 2022 einen Werkstudentenjob bei einem Münchner Verlag, der mir im Dezember einen Weihnachtsbonus von 300 Euro gezahlt hat. Dieser Bonus wurde voll auf mein Jahreseinkommen angerechnet und hat mich über die Grenze gedrückt.
Auch wichtig: Minijobs auf 538-Euro-Basis (Stand 2024) werden anders behandelt. Ein Minijob bleibt bei der BAföG-Berechnung komplett anrechnungsfrei, solange du nicht gleichzeitig noch anderweitig arbeitest. Kombinierst du aber einen Minijob mit einem Werkstudentenjob, werden beide Einkommen zusammengezählt. Das erfuhr ich von einer Kommilitonin aus Köln, die dachte, sie könne beides parallel laufen lassen.
Meldepflichten und was passiert bei Überschreitung
Du bist verpflichtet, dem BAföG-Amt jede Änderung deiner Einkommenssituation zu melden. Das steht glasklar in § 60 des Ersten Buches Sozialgesetzbuch (SGB I). Nimmst du einen Werkstudentenjob an oder ändern sich deine Arbeitszeiten, musst du das innerhalb von vier Wochen melden. Tust du das nicht und das Amt erfährt später davon, zum Beispiel durch den automatischen Datenabgleich mit der Rentenversicherung, kann es richtig teuer werden.
Im schlimmsten Fall musst du nicht nur das zu viel gezahlte BAföG zurückzahlen, sondern auch noch ein Bußgeld zahlen. Laut Angaben des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2023 werden jährlich etwa 12.000 Fälle von BAföG-Betrug aufgedeckt, viele davon durch nicht gemeldete Werkstudentenjobs. Die durchschnittliche Rückforderung liegt bei etwa 3.200 Euro (Quelle: https://www.studentenwerke.de).
Überschreitest du die Verdienstgrenze, wird dein BAföG neu berechnet. Das passiert nicht rückwirkend für den gesamten Bewilligungszeitraum, sondern ab dem Monat der Änderung. Du bekommst dann einen neuen Bescheid mit dem gekürzten Betrag. Eine Freundin aus Frankfurt hat mir erzählt, dass ihr BAföG von 450 Euro auf 312 Euro pro Monat gekürzt wurde, weil sie ihre Werkstudentenstunden von 10 auf 18 pro Woche erhöht hatte.
Alternative Einkommensquellen, die BAföG-freundlicher sind
Nicht jede Art zu arbeiten wirkt sich gleich auf dein BAföG aus. Es gibt durchaus Möglichkeiten, neben dem Studium Geld zu verdienen, ohne dass es voll angerechnet wird. Selbstständige Tätigkeiten auf Honorarbasis werden genauso behandelt wie Werkstudentenjobs, aber hier hast du mehr Kontrolle über dein Einkommen und kannst Betriebsausgaben geltend machen.
Ich kenne mehrere Studierende, die sich mit kleinen Online-Projekten etwas dazuverdienen. Ob das Geld verdienen als Student durch freiberufliches Texten, Grafikdesign oder Social-Media-Management ist, hier kannst du deine Aufträge so planen, dass du in einem Monat viel verdienst und im nächsten weniger. Wichtig ist nur, dass du am Ende des Bewilligungszeitraums unter der Jahresgrenze bleibst.
Eine weitere Option: Stipendien und Bildungskredite werden nicht auf das BAföG angerechnet. Auch Unterhalt von den Eltern bis zur Höhe des gesetzlich vorgesehenen Betrags bleibt außen vor. Wenn du kreativ sein willst, gibt es sogar ungewöhnlichere Wege wie Plattformen für Geld verdienen nebenbei, die je nach Ausgestaltung unterschiedlich behandelt werden.
Was ändert sich 2024/2025 beim BAföG und Werkstudentenjobs?

Die BAföG-Reform, die zum Wintersemester 2022/2023 in Kraft trat, hat die Freibeträge deutlich erhöht. Vor der Reform lag die Verdienstgrenze bei nur 5.400 Euro jährlich, jetzt sind es 6.815,04 Euro. Das ist ein Plus von über 26 Prozent. Für 2025 sind weitere Anpassungen geplant, aber konkrete Zahlen liegen noch nicht vor. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat angekündigt, die Freibeträge an die Inflation anzupassen (Quelle: https://www.bmbf.de/bafoeg).
Parallel dazu steigt der Mindestlohn. Seit dem 1. Januar 2024 liegt er bei 12,41 Euro pro Stunde. Das bedeutet: Selbst bei Mindestlohn und 20 Wochenstunden verdienst du bereits etwa 994 Euro brutto monatlich, also knapp 12.000 Euro im Jahr. Das ist fast das Doppelte der BAföG-Freibetragsgrenze. Du siehst: Die 20-Stunden-Regel und die BAföG Verdienstgrenze passen nicht mehr zusammen. Deshalb musst du deine Stunden reduzieren oder geschickt über das Jahr verteilen.
Praktische Checkliste: So behältst du den Überblick
Aus meiner eigenen Erfahrung und den Fehlern, die ich bei anderen gesehen habe, habe ich eine simple Checkliste entwickelt, die du monatlich abarbeiten solltest:
- Führe ein Excel-Sheet oder eine App, in der du jede Arbeitsstunde und jeden verdienten Euro einträgst
- Rechne spätestens am 15. jeden Monats dein aktuelles Jahreseinkommen hoch und vergleiche es mit der Grenze von 6.815,04 Euro
- Berücksichtige auch einmalige Zahlungen wie Boni, Urlaubsgeld oder Prämien
- Melde jede Änderung deiner Arbeitssituation innerhalb von vier Wochen dem BAföG-Amt schriftlich
- Bewahre alle Gehaltsabrechnungen und Arbeitsverträge mindestens fünf Jahre auf
Ich nutze seit zwei Jahren eine simple Google-Tabelle, die ich wöchentlich aktualisiere. Dort trage ich Datum, Stunden, Stundenlohn und Bruttoverdienst ein. Am Monatsende summiere ich alles und rechne hoch, wo ich im aktuellen Bewilligungszeitraum stehe. Das dauert keine fünf Minuten, hat mir aber schon zweimal den BAföG-Anspruch gerettet, weil ich rechtzeitig merkte, dass ich die Grenze bald erreiche.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich als Werkstudent mit BAföG auch in den Semesterferien Vollzeit arbeiten?
Ja, aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht ist das erlaubt. Die 20-Stunden-Grenze gilt nur während der Vorlesungszeit. Aber Achtung: Jeder verdiente Euro zählt trotzdem für die BAföG Verdienstgrenze von 6.815,04 Euro im Jahr. Verdienst du in drei Monaten Semesterferien bei Vollzeit und 12 Euro Mindestlohn etwa 6.240 Euro, bleibt dir fürs restliche Jahr nur noch ein Puffer von 575 Euro.
Muss ich Steuern zahlen als Werkstudent mit BAföG?
Das hängt von deinem Jahreseinkommen ab. Der Grundfreibetrag liegt 2024 bei 11.604 Euro. Bleibst du unter der BAföG-Grenze von 6.815,04 Euro, zahlst du definitiv keine Einkommenssteuer. Selbst wenn du darüber liegst, aber unter dem Grundfreibetrag bleibst, fällt keine Steuer an. Du solltest aber in jedem Fall eine Steuererklärung machen, weil dir eventuell zu viel gezahlte Lohnsteuer zurückerstattet wird.
Was ist, wenn ich zwei verschiedene Werkstudentenjobs gleichzeitig habe?
Beide Einkommen werden zusammengezählt und auf die Verdienstgrenze angerechnet. Außerdem wird die 20-Stunden-Regel komplizierter: Die Gesamtarbeitszeit beider Jobs darf während der Vorlesungszeit 20 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Ich rate davon ab, außer du kannst die Arbeitszeiten perfekt koordinieren. Eine Freundin aus Heidelberg hat das versucht und am Ende beide Jobs verloren, weil sie die Organisation nicht geschafft hat.
Wie wirkt sich ein Werkstudentenjob auf das Kindergeld meiner Eltern aus?
Seit 2012 gibt es keine Einkommensgrenze mehr beim Kindergeld für volljährige Kinder in Erstausbildung. Deine Eltern bekommen das Kindergeld von aktuell 250 Euro pro Monat (ab dem dritten Kind mehr) unabhängig davon, wie viel du als Werkstudent verdienst. Das gilt bis zu deinem 25. Geburtstag, solange du im Studium bist.
Verliere ich meinen Werkstudentenstatus, wenn ich über 20 Stunden arbeite?
Arbeitest du dauerhaft mehr als 20 Stunden pro Woche während der Vorlesungszeit, giltst du nicht mehr als Werkstudent, sondern als normaler Arbeitnehmer. Dann werden Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fällig, was sowohl für dich als auch den Arbeitgeber deutlich teurer wird. In den Semesterferien oder bei befristeten Projekten sind Ausnahmen möglich. Details regelt die Arbeitszeit-Richtlinie der Deutschen Rentenversicherung.
Mein Fazit: Planung schlägt Spontanität
Nach drei Jahren als Werkstudent mit BAföG kann ich dir eines versichern: Es funktioniert absolut, beides zu kombinieren, aber nur mit akribischer Planung. Die magische Grenze von 6.815,04 Euro im Jahr ist nicht verhandelbar. Überschreitest du sie, wird gekürzt, ohne Wenn und Aber. Meine persönliche Strategie war immer, deutlich unter dieser Grenze zu bleiben, etwa bei 6.200 Euro jährlich, um einen Puffer für unerwartete Bonuszahlungen oder Gehaltserhöhungen zu haben.
Rechne deine individuelle maximale Stundenzahl aus, basierend auf deinem konkreten Stundenlohn. Führe penibel Buch über jede Arbeitsstunde. Melde Änderungen sofort dem BAföG-Amt. Und wenn du merkst, dass du die Grenze erreichen wirst, reduziere rechtzeitig deine Stunden oder pausiere komplett. Das klingt nach Aufwand, ist aber deutlich weniger stressig als eine Rückforderung vom BAföG-Amt. Vertrau mir, ich habe beides erlebt.
Wenn du clever planst, kannst du als Werkstudent wertvolle Berufserfahrung sammeln, dir ein solides Nebeneinkommen aufbauen und trotzdem dein BAföG in voller Höhe behalten. Die Kombi funktioniert, du musst nur die Spielregeln kennen und einhalten.