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Du hast deinen Bachelor oder Master in der Tasche und merkst: Das war's noch nicht. Ein zweites Studium soll her, vielleicht Informatik nach dem Wirtschaftsstudium oder Medizin nach der Biologie. Nur dumm, dass BAföG beim Zweitstudium nicht greift und deine Eltern auch keine Unterhaltspflicht mehr haben. Wie du dein Zweitstudium finanzieren kannst, ohne in die Schuldenfalle zu tappen, zeige ich dir hier mit konkreten Zahlen und echten Alternativen.

Die Realität ist ernüchternd: Laut Deutschem Studentenwerk haben im Jahr 2021 nur 11 Prozent der Zweitstudierenden BAföG-Anspruch, und das auch nur unter sehr speziellen Bedingungen. Die durchschnittlichen Kosten für ein Zweitstudium liegen bei etwa 650 bis 950 Euro monatlich, je nach Stadt und Lebensstandard. In München kommst du selten unter 1.100 Euro weg, in Leipzig oder Erfurt eher mit 700 Euro. Diese Lücke musst du selbst schließen.

Warum BAföG meistens wegfällt und was die Ausnahmen sind

Beim Zweitstudium finanzieren ist BAföG normalerweise raus. Die Regelung ist klar: Du bekommst nur für deine erste berufsqualifizierende Ausbildung Förderung. Ein Bachelor zählt bereits als abgeschlossen. Es gibt aber drei Ausnahmen, die du kennen solltest.

Erstens: konsekutive Master. Wenn du direkt nach dem Bachelor einen fachlich passenden Master dranhängst, gilt das als Erststudium. Heißt konkret, dein Maschinenbau-Master nach dem Maschinenbau-Bachelor wird gefördert. Zweitens: Wenn dein Zweitstudium für deinen angestrebten Beruf zwingend notwendig ist. Das trifft etwa zu, wenn du nach Pharmazie noch Medizin studieren möchtest. Drittens: besondere Härtefälle, etwa gesundheitliche Gründe, die ein Berufswechsel erzwingen. Alle drei Fälle musst du mit Nachweisen belegen.

Laut einer Erhebung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus 2022 fallen 89 Prozent aller Zweitstudierenden durch dieses Raster. Das bedeutet: Du brauchst einen Plan B.

Stipendien für das zweite Studium – unterschätzte Geldquelle

Viele denken, Stipendien sind nur was für Einser-Kandidaten im Erststudium. Stimmt nicht. Es gibt über 3.000 Stipendiengeber in Deutschland, und einige fördern gezielt Zweitstudierende.

Begabtenförderungswerke mit offenen Türen

Die 13 großen Begabtenförderungswerke wie die Friedrich-Ebert-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung oder das Evangelische Studienwerk fördern auch im Zweitstudium. Voraussetzung ist meist überdurchschnittliches Engagement, politisches oder soziales Profil und ein 2,0-Schnitt oder besser im Erststudium. Die Förderung beträgt bis zu 861 Euro monatlich plus 300 Euro Büchergeld, Stand 2024.

Konkret: Die Heinrich-Böll-Stiftung fördert beispielsweise explizit Quereinsteiger mit klarem gesellschaftspolitischen Bezug. Wenn du nach deinem BWL-Studium Umweltingenieurwesen studieren willst und dich in der Klimabewegung engagierst, sind deine Chancen gar nicht schlecht.

Fachspezifische Stiftungen und regionale Fördertöpfe

Kleinere Stiftungen sind oft weniger bekannt, aber dafür offener. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert etwa Architektur-Zweitstudierende mit bis zu 500 Euro monatlich. Die Otto Benecke Stiftung unterstützt Zweitstudien im MINT-Bereich mit bis zu 400 Euro. Auch Städte wie Hamburg oder Stuttgart vergeben eigene Bildungsstipendien, die nicht zwischen Erst- und Zweitstudium unterscheiden.

Eine oft übersehene Option: das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung. Wenn du zwischen Erst- und Zweitstudium mindestens zwei Jahre gearbeitet hast, kannst du bis zu 861 Euro monatlich bekommen. Laut Stiftungswebsite wurden 2023 bundesweit 1.087 neue Stipendien vergeben.

Bildungskredit und KfW-Studienkredit – die klassischen Finanzierungswege

Wenn Stipendien nicht klappen, bleiben Kredite. Hier musst du aber genau rechnen, denn die Zinslast kann erheblich sein.

Der Bildungskredit des Bundes

Der Bildungskredit ist unabhängig vom Einkommen und wird auch im Zweitstudium gewährt. Du kannst bis zu 7.200 Euro in monatlichen Raten von 100, 200 oder 300 Euro bekommen. Der Zinssatz lag 2024 bei 1,46 Prozent effektiv, deutlich günstiger als viele Privatkredite. Die Rückzahlung beginnt vier Jahre nach der ersten Auszahlung mit festen Raten von 120 Euro monatlich.

Vorteil: schnelle Beantragung über das Bundesverwaltungsamt, keine Bonitätsprüfung. Nachteil: Die Summe reicht meist nicht für die gesamte Finanzierung, eher als Ergänzung.

KfW-Studienkredit – mehr Geld, mehr Zinsen

Die KfW vergibt bis zu 650 Euro monatlich, auch fürs Zweitstudium. Der effektive Jahreszins lag im Januar 2024 bei 7,54 Prozent, also deutlich höher als beim Bildungskredit. Die Förderungshöchstdauer beträgt 14 Semester, auch wenn du schon einen Abschluss hast.

Rechenbeispiel: Wenn du vier Semester lang 600 Euro monatlich abrufst, sind das 14.400 Euro Kreditsumme. Bei 7,54 Prozent Zinsen und einer Rückzahlungsdauer von 10 Jahren zahlst du insgesamt etwa 20.400 Euro zurück, also knapp 6.000 Euro Zinsen. Das musst du gegen dein erwartetes Gehalt nach dem Abschluss rechnen.

Eine Alternative sind Bildungsfonds wie Brain Capital oder Deutsche Bildung. Hier richtet sich die Rückzahlung nach deinem späteren Einkommen, allerdings können die Gesamtkosten höher ausfallen. Brain Capital verlangt etwa 6 bis 9 Prozent deines Bruttoeinkommens über einen festen Zeitraum, meist 7 bis 10 Jahre.

Job neben dem Zweitstudium – wie viel ist realistisch?

Zweitstudium finanzieren – deine realistischen Optionen

Für die meisten ist ein Nebenjob die Hauptfinanzierungsquelle beim Zweitstudium. Die Frage ist: Wie viel kannst du arbeiten, ohne dein Studium zu gefährden?

Ich kenne einige, die 20 Stunden pro Woche als Werkstudent arbeiten und damit 800 bis 1.200 Euro netto verdienen, je nach Branche. In der IT oder bei Unternehmensberatungen sind 18 Euro Stundenlohn realistisch, in klassischen Studentenjobs wie Kellnern eher 12 Euro. Bei 20 Stunden pro Woche kommst du auf 850 bis 1.400 Euro brutto, was nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben etwa 700 bis 1.100 Euro netto ergibt.

Wichtig: Als Zweitstudierender bist du sozialversicherungspflichtig, wenn du mehr als 20 Stunden arbeitest. Bleibst du darunter, greift die Werkstudenten-Regelung mit reduzierten Abgaben. Mehr zur Stundengrenze kannst du in meinem Artikel über Werkstudent und BAföG: Wie viele Stunden sind erlaubt? nachlesen.

Nebenjobs mit Lerneffekt und besserer Bezahlung

Wenn du dein Zweitstudium finanzieren willst, such dir einen Job, der zu deinem neuen Fach passt. Informatik-Studis können als Junior Developer bei Startups 20 bis 25 Euro Stundenlohn verdienen. Medizinstudierende finden oft Aushilfsjobs in Kliniken oder Praxen mit 15 bis 18 Euro. Wer Jura studiert, kann als studentische Hilfskraft in Kanzleien 14 bis 17 Euro bekommen.

Wenn du flexibel bleiben willst, sind Online-Jobs eine Option. Viele Zweitstudierende nutzen Geld verdienen Heimarbeit als Ergänzung, etwa durch Texten, Grafikdesign oder virtuelle Assistenz. Das bringt zwar selten über 500 Euro im Monat, lässt sich aber perfekt um Vorlesungen herum organisieren.

Steuerliche Vorteile beim Zweitstudium nutzen

Hier kommt die gute Nachricht: Kosten fürs Zweitstudium sind als Werbungskosten absetzbar, nicht nur als Sonderausgaben wie im Erststudium. Das bedeutet, du kannst alle Ausgaben, Studiengebühren, Fachliteratur, Fahrtkosten, sogar dein WG-Zimmer anteilig von der Steuer absetzen.

Konkret: Wenn du 8.000 Euro im Jahr für dein Zweitstudium ausgibst und nebenbei 15.000 Euro verdienst, reduziert sich dein zu versteuerndes Einkommen auf 7.000 Euro. Bei einem Steuersatz von etwa 25 Prozent sparst du circa 2.000 Euro. Das kannst du auch als Verlustvortrag geltend machen und in späteren Jahren verrechnen, wenn du mehr verdienst.

Laut Bundesfinanzhof-Urteil vom 16.11.2021 (Az. VI R 34/19) sind Zweitstudienkosten eindeutig Werbungskosten. Diese Regelung gilt seit 2022 bundesweit einheitlich. Hol dir für die Steuererklärung professionelle Hilfe oder nutze Software wie WISO oder Taxfix, die speziell auf Studierende ausgelegt ist.

Welche Studiengebühren fallen an und wie unterscheiden sie sich?

In den meisten Bundesländern ist das Erststudium gebührenfrei, aber beim Zweitstudium wird oft zugeschlagen. Baden-Württemberg verlangt seit 2017 pauschal 650 Euro pro Semester für Zweitstudierende, egal ob Bachelor oder Master. Nordrhein-Westfalen und Bayern haben keine generelle Zweitstudiengebühr, einzelne Hochschulen können aber welche erheben.

Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen und die meisten anderen Bundesländer verzichten komplett auf Zweitstudiengebühren. Wenn du also flexibel bei der Hochschulwahl bist, kannst du hier 1.300 Euro pro Jahr sparen. An der Universität Leipzig zahlst du als Zweitstudierender nur den Semesterbeitrag von etwa 290 Euro, an der Uni Heidelberg kommen 650 Euro Gebühren pro Semester obendrauf.

Private Hochschulen sind eine andere Liga: Hier liegen die Gebühren zwischen 3.000 und 10.000 Euro pro Semester, unabhängig davon, ob es dein erstes oder zweites Studium ist. Das rechnet sich nur, wenn du parallel sehr gut verdienst oder über einen Arbeitgeber finanziert wirst.

Alternative Finanzierungsmodelle: Bildungsfonds, Arbeitgeber, Crowdfunding

Zweitstudium finanzieren – deine realistischen Optionen

Es gibt kreative Wege abseits der Standardoptionen.

Arbeitgeber-Förderung bei berufsbegleitendem Zweitstudium

Wenn du dein Zweitstudium berufsbegleitend machst und es für deinen Job relevant ist, zahlt der Arbeitgeber manchmal mit. Einige Unternehmen übernehmen bis zu 100 Prozent der Studiengebühren, oft mit einer Verpflichtung, drei bis fünf Jahre im Betrieb zu bleiben. Bei Dax-Konzernen wie Siemens oder Bosch sind solche Vereinbarungen üblich.

Bildungsfonds mit einkommensabhängiger Rückzahlung

Die Deutsche Bildung oder Brain Capital finanzieren dein Zweitstudium mit 100 bis 1.000 Euro monatlich. Nach dem Studium zahlst du einen festen Prozentsatz deines Einkommens über einen definierten Zeitraum zurück. Das Risiko liegt beim Fonds, du zahlst nur, wenn du auch verdienst. Allerdings kann die Gesamtsumme deutlich über einem klassischen Kredit liegen.

Crowdfunding und Mikro-Stipendien

Plattformen wie Studifund oder Brain Capital bieten Crowdfunding für Studierende an. Du erstellst ein Profil, beschreibst dein Studienziel und potenzielle Unterstützer spenden Beträge ab 10 Euro. Das funktioniert besonders gut, wenn du ein klares Karriereziel und eine überzeugende Geschichte hast. Realistisch sind 500 bis 2.000 Euro einmalig, selten mehr.

Sparen beim Zweitstudium – wo sich Kosten reduzieren lassen

Wenn die Einnahmen begrenzt sind, musst du auf der Ausgabenseite ansetzen. Die größten Sparpotenziale liegen bei Miete, Essen und Mobilität.

Miete: Wähle eine Stadt mit niedrigeren Lebenshaltungskosten. Während du in München durchschnittlich 600 bis 700 Euro für ein WG-Zimmer zahlst, bekommst du in Chemnitz oder Magdeburg eines für 250 bis 350 Euro. Das sind 350 Euro Unterschied pro Monat, über vier Semester 8.400 Euro.

Essen: Mit einem durchdachten Essensplan kannst du monatlich bis zu 150 Euro sparen. Mehr dazu in meinem Artikel Essensplan fürs Studium: So sparst du bis zu 150 Euro im Monat. Batch-Cooking, saisonales Gemüse und Verzicht auf Fertigprodukte machen den Unterschied.

Mobilität: Nutze das Semesterticket maximal aus oder organisiere Fahrgemeinschaften. Ein eigenes Auto kostet durchschnittlich 300 bis 500 Euro monatlich, ein gebrauchtes Fahrrad einmalig 150 Euro.

Häufig gestellte Fragen zum Zweitstudium finanzieren

Kann ich für ein Zweitstudium BAföG bekommen?
In der Regel nicht, außer bei konsekutiven Mastern, zwingend notwendigen Zweitstudien für den Beruf oder besonderen Härtefällen mit Nachweis.

Welche Stipendien fördern Zweitstudierende?
Begabtenförderungswerke wie Friedrich-Ebert-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, das Aufstiegsstipendium und fachspezifische Stiftungen wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Wie viel kann ich mit einem Werkstudenten-Job verdienen?
Bei 20 Stunden pro Woche und 12 bis 18 Euro Stundenlohn zwischen 700 und 1.100 Euro netto monatlich, je nach Branche und Qualifikation.

Lohnt sich ein KfW-Studienkredit fürs Zweitstudium?
Nur, wenn du realistisch einschätzen kannst, dass dein Gehalt nach dem Abschluss die Rückzahlung problemlos ermöglicht. Der Zinssatz von über 7 Prozent summiert sich schnell.

Sind Zweitstudienkosten steuerlich absetzbar?
Ja, als Werbungskosten in voller Höhe. Du kannst alle Studienkosten absetzen und als Verlustvortrag in spätere Jahre mitnehmen.

Mein Fazit: Zweitstudium finanzieren ist machbar, braucht aber einen klaren Plan

Ein Zweitstudium kostet dich zwischen 15.000 und 40.000 Euro, je nach Dauer, Stadt und Lebensstandard. BAföG fällt meist weg, Stipendien sind schwerer zu bekommen als im Erststudium, aber nicht unmöglich. Die realistischste Kombination ist ein Werkstudenten-Job mit 15 bis 20 Stunden pro Woche plus Bildungskredit oder KfW-Studienkredit für die Lücke.

Mein Tipp: Rechne dir deine monatlichen Kosten exakt durch, vergleiche verschiedene Städte und bewirb dich auf mindestens drei Stipendien, auch bei kleineren Stiftungen. Nutze die steuerlichen Vorteile konsequent und behalte deine Ausgaben im Griff. Mit einem durchdachten Mix aus Eigenleistung, günstiger Finanzierung und geringen Fixkosten ist dein Zweitstudium finanzierbar, ohne dass du in zehn Jahren noch abbezahlst.